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Die 300

Von Henrik Ortved (RAWBITE Botschafter) und Nikolaj Lehman (RAWBITE Mitgründer)

Nach der BSE2018 (https://www.rawbite.com/eu/stories/the-bordershop-edition-2018-bse2018) dauerte es nicht lange bis wir wieder über den nächsten möglichen Stunt auf dem Halfbike nachgedacht haben. Natürlich sind wir dabei auf eine neue verrückte Idee gekommen.

Diese fühlte sich zuerst ziemlich weit hergeholt an. Aber alles, was sich zuerst zu groß anfühlt, kann man gut nach dem Prinzip „Reverse-Engineering“ angehen: man reduziert die Herausforderung schrittweise in einem rückwärtigen Prozess, bis man zu einem Projekt gelangt das zwar herausfordernd, aber nicht zu groß ist. Unser Reverse-Engineering führte also zu folgender Entscheidung: eine Halfbike-Tour von etwa 100 km rückgelegte Distanz pro Tag für drei Tage hintereinander – daher „Die 300“.

Bisher hatten wir nur Tagestouren unternommen, daher wussten wir nicht wie der Körper auf kumulierte Arbeit auf dem Hakfbike reagieren würde. Normalerweise ist der Körper nach einer Tour von 100+ km, für die wir ungefähr 6,5-7 Stunden brauchen, abends ziemlich müde, aber man hat keine Muskelschmerzen. Beispielsweise nach einem Ultralauf ist das anders: neben der Müdigkeit sind auch die Beine ziemlich steif und tun weh.

Die 300 schien also herausfordernd, aber mehr auf der körperlichen als auf der mentalen Ebene. Daher entschieden wir uns dazu, unsere Psyche zu trainieren, indem wir alle drei Tage die gleiche Strecke fahren und somit das Unterhaltungsniveau reduzieren würden. Zu wissen, was vor einem liegt, fordert das geistige Niveau mehr heraus, vor allem, sobald Ermüdung einsetzt. Und, wie Henrik immer sagte: „Ultras durchzuziehen ist zu 90% geistige und zu 10% körperliche Arbeit“.

Tag 1

Wir hätten uns keinen besseren ersten Tag wünschen können: sehr wenig Wind, 20 Grad und teilweise bewölkter Himmel. Wir haben es in null Komma nichts hinter uns gebracht, und somit zu unserem schnellsten Langzeittour überhaupt gemacht: 102 km mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 18km/h. Ein großartiger Start für Die 300.

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Tag 2

Wie die zweite Seite einer Münze war Tag 2 das absolute Gegenteil von Tag 1: Regen und Wind den ganzen Tag über. Wir waren schon nach einer Stunde durchnässt und wussten, dass wir das noch für mehrere Stunden aushalten würden müssen. Mit dem Mangel an Unterhaltung, da wir die Strecke bereits kannten, dem unangenehmen Gefühl, komplett durchnässt zu sein, und dem früheren Einsetzen der Erschöpfung aufgrund akkumulierter Fahrleistung war es eine ziemliche Herausforderung, Tag zwei durchzuhalten. Letzten Endes haben wir uns dann auch entschieden abzukürzen und die ausgefallene Kilometerzahl am nächsten Tag auszugleichen. 95 km waren es an diesem Tag und es dauerte uns 20 Minuten länger.

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Tag 3

Am dritten Tag mussten wir einen extra Umweg fahren, um die ausgelassenen Kilometer von Tag 2 aufzuholen. Glücklicherweise meldete der Wetterbericht keinen Regen für den Tag und unsere Körper fühlten sich gut an, daher starteten wir optimistisch. Allerdings sollte man in Dänemark nie dem Wetterbericht vertrauen. Nach nur einer Stunde Fahrt wurden wir von einem schweren Regenschauer erwischt, der mindestens 30 Minuten andauerte, und wir waren aufs Neue durchnässt. Dies war aber der Punkt, an dem sich die versteckte Belohnung vom Vortag zeigte: dieses Mal machte es uns nichts aus. Um Mark Twain zu paraphrasieren: „Umstände sind mehr eine Sache des Geistes als der Gegebenheiten. Wenn es dir egal ist, ist es auch egal“. Und so ging es den restlichen Tag gut voran. Wir nahmen den notwendigen Umweg, hatten eine super Unterhaltung und forderten uns zu einem gegenseitigen Sprintwettbewerb auf dem letzten Hügel vor zu Hause auf. Wir schafften 105km in sieben Stunden, was viel langsamer ist als Tag 1 – aber unsere Körper fühlten sich den ganzen Tag lang gut an.

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Durch Die 300 haben wir einen großartigen Einblick bekommen wie es ist, mehrere lange Touren am Stück zurückzulegen. Wir haben erstens gelernt, dass weniger gute Tage vorkommen – aber es braucht auch solche Tage, um die guten Tage noch besser zu machen. Zweitens, obwohl der Körper nach jeder zurückgelegten Fahrt abends müde war, regierte er doch recht gut auf die akkumulierten Kilometer! Es ist schön, ein ernsthaftes Training zu machen und am nächsten Tag bereit zu sein, genau das Gleiche noch einmal zu tun. Und wisst ihr was? 300km in drei Tagen zu schaffen könnte in der Tat ein inoffizieller Weltrekord sein!

So, was kommt als Nächstes..?

Henrik Ortved, RAWBITE - Halfbike Botschafter.

Nikolaj Lehmann: RAWBITE - Mitgründer - Halfbike Botschafter.