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Schneeschuhwandern in Grödental

Auf ins Abenteuer! Die Ski angeschnallt und los gestapft – die Rede ist nicht von Langlauf- oder Abfahrtsskiern, sondern von Schneeschuhen. Ein Wintersport der Stille und der Einkehr, eine Auszeit für die Seele, die trotzdem Kondition erfordert. Mal geht es steil bergauf, dann bergab. Du hörst das Knirschen unter deinen Schuhen und wirst eins mit der Landschaft. Einmalig!

Wir haben den Sport für dich in Südtirol ausprobiert – und sind begeistert! Davon, zwischen den Felsformationen der Dolomiten des Val Gardena durch die Schneelandschaft zu stapfen, neue Energie zu tanken, um sich danach in urigen Almhütten aufzuwärmen.

Über Nacht hat es kräftig geschneit – am Morgen glitzert der ganze Ort unter einer pudrig weichen Schneeschicht in der Sonne. Der Bus bringt uns direkt vom Eingang des Vitalpina Hotel Dosses, einem gemütlichen Wellnesshotel mit langer Geschichte, ans Ziel. Von St. Christina, dem kleinsten Ort im Grödental, geht es in wenigen Minuten ins benachbarte Wolkenstein. Dort wartet direkt am Platz Bergguide Roman, ein echtes Urgestein im Tal. Er wird unsere Gruppe von acht Abenteuerlustigen durch die Bergwelt führen. Er ist nicht nur Wanderführer, sondern auch Wildbeobachter und Hobbybotaniker. Seine Augen funkeln, wenn er spricht, wahlweise auf Italienisch, Ladinisch oder Deutsch. Schon die erste Begegnung mit ihm verheißt spannende Erlebnisse.

Ohne unsere „Ciaspole“ kämen wir auf den verschneiten Wegen kaum voran

Zunächst geht’s zum Verleih – schließlich brauchen wir unsere „Ciaspole“, Schneeschuhe. Sie sehen aus wie kleine, breite Skier, deren Unterseiten Zacken und Widerhaken haben und sicheren Tritt auf unpräparierten Wegen und in tiefem Schnee geben. Man schlüpft mit festen Schuhen hinein (unbedingt wasserfest) und schnallt sie fest. Außerdem haben wir jeder ein Paar Ski- oder Wanderstöcke dabei. Damit ausgerüstet, steigen wir oberhalb des Ortes in die Schneewanderroute durch das berühmte Langental ein, ein Naturpark und wie das ganze Grödental Unesco Welterbe. Die ersten Schritte sind noch holprig, aber schnell gewöhnt man sich an das gleichmäßige, bewusste Stapfen. Eine Mischung zwischen Langlaufen und aktivem Wandern – einen Fuß anheben, gerade nach vorne ziehen, absetzen, Knie leicht beugen. Läuft!

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Diese Stille, diese gleichmäßige Bewegung. Und wie fantastisch schön die Landschaft ist!

Himmelhohe Wände steigen aus der Bergwelt ringsum empor. Ihr sandfarbenes Gestein, in das sich selbst in schwindelerregenden Höhen noch Bäume krallen, die von Vögeln „gepflanzt“ wurden, wie Roman erklärt, leuchtet in der Sonne. Immer wieder hält er Ausschau nach Gämsen, Rotwild und Steinadlern. Mal geht es über Wege, mal einen steilen Hang hinauf. Erstaunlich, wie einen die Schneeschuhe tragen, auch wenn wir manchmal überraschend tief einsinken. Wir atmen die frische, gesunde Bergluft ein und fühlen uns lebendig wie lange nicht mehr. „Schaut mal da vorn!“, ruft Roman. Wir entdecken eine Felskapelle in einer Bergwand, die eine Lawine zerstört hat und blicken über das Tal, das sich unter uns ausbreitet. Schneeschuhwandern trainiert den ganzen Körper – und macht hungrig. Zeit für einen Snack. Mit RAWBITE Riegeln im Rucksack kann uns der Hunger nichts anhaben. So schaffen wir mit neuer Energie auch die letzte Etappe ohne schlapp zu machen!

Willkommen im Tal der Rockstars

Auf dem Weg zu unserer zweiten Tagestour genießen wir den Anblick der Gipfel – jeden Morgen begrüßt uns im Tal der gigantische Langkofel, das Wahrzeichen des Grödentals. In den Rankings der schönsten Berge der Welt belegt der „Lange Berg“ regelmäßig Spitzenplätze. Fast 3.200 Meter hoch und freistehend thront er über dem Grödental. Um die drei Orte St. Christina, St. Ulrich und Wolken-stein versammelt sich eine ganze Riege von „Rock Stars“ – angefangen bei den zerklüfteten Berggipfeln der Secena bis zu den schroffen Wänden des Sellastocks – mystische Berggestalten, die in jedem Tageslicht anders aussehen. Die schönste Zeit ist der späte Nachmittag, wenn die Wipfel rötlich zu glühen beginnen. Ein Spektakel, wenn die grauen Wände von Langkofel und Sella, von Cir- und Geislerspitzen das Licht der tief stehenden Sonne einfangen und Tieforange leuchten, das langsam ins Rot wechselt, selbst wenn die Sonne schon längst am Horizont verschwunden ist.

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Beim Schneeschuhwandern verliert man jegliches Gefühl für Zeit und Raum

Das sonnenverwöhnte Grödental (300 Sonnentage!), in den warmen Monaten für Wanderer und Biker ein Paradies, zeigt sich von seiner wildromantischen Seite, als wir mit unserem Bergführer Roman von der Plan de Gral aus, einer malerischen Hochebene, in Richtung Wolkenstein starten. Von hier blicken wir auf das Skigebiet „Piz Sella“, hinter dem der Langkofel in den blauen Himmel aufragt. Einige Zeit laufen wir wortlos über stille, hügelige Ebenen und durch Wald, jeder ganz bei sich und auf die Spuren konzentriert, die wir im frischen Schnee hinterlassen. Beim Schneeschuhwandern verliert man das Gefühl für Zeit und Raum, irgendwann weiß man gar nicht mehr, ob eine oder schon drei Stunden vergangen sind. Aber es spielt auch keine Rolle. Als Team sind wir inzwischen eingespielt. Der Weg ist das Ziel. Fast sind wir enttäuscht, dass wir bald ankommen. Aber noch ist es nicht so weit: An einer kleinen einsamen Holzhütte mit einer Bank irgendwo im Nirgendwo machen wir Rast, Roman schenkt heißen Tee in kleine Becher. Weit und breit außer uns keine Menschenseele. Ein Adler kreist am Himmel. Alles ist friedlich. Diese Ruhe, diese Luft! Nur wir und die Landschaft, und dieser stolze Berg, der uns immer im Blick hat.

Weitere Informationen

Schneeschuhwandern: Das Langental ist für Winter- und Schneeschuhwanderer ein ideales Ziel. Das von Eiszeitgletschern geprägte Tal präsentiert eine wildromantische, pittoreske hochalpine Landschaft. Anmeldung zu dieser und weiteren Touren unter: www.valgardena-active.com, www.dolomitesalpine.it

Skifahren: Im Skigebiet Gröden/Seiser Alm inklusive Sellaronda warten über 500 schneesichere Pistenkilometer. Tipp: die Sella-Runde, eine 26 Kilometer lange Skitour rund um das Sella Massiv. Im Gebiet Col Raiser/Seceda kommen Genussskifahrer voll auf ihre Kosten. Hier warten breite sonnige Südhänge und Almen mit kulinarischen Köstlichkeiten. www.seceda.com, www.valgardena.it

Langlauf: Im Grödental stehen Langläufern 115 Loipenkilometer zur Verfügung. Geheimtipp: das Langlaufzentrum am Monte Pana oberhalb von St. Christina. Anspruchsvolle Aufstiege und rasante Abfahrten bietet der Monte Pana durch die Anbindung an die Langlaufloipen der Seiser Alm. www.valgardena.it/de/winterurlaub-dolomiten/aktivurlaub-groeden/langlaufen/

Schlafen: Vitalpina Hotel Dosses, www.dosses.it

Enjoy every Bite.